Warum Reproduktionszahl?

Wollen wir die aktuelle Dynamik der Covid19-Pandemie, die Wirksamkeit von Maßnahmen sowie relevante Verhaltensänderungen einschätzen, dann müssen wir wissen, wie viele weitere Personen ein Infizierter aktuell durchschnittlich ansteckt.

Meldezahlen allein zeigen uns zu wenig. 

Den Blick allein auf neu übermittelte Zahlen zu richten, kann irreführend sein. Manchmal erkennen wir Infektionsherde erst nach mehreren Tagen oder sogar Wochen, manchmal sehr schnell. Gelegentlich dauert es mit der Auswertung von Tests etwas länger, manchmal geht es recht zügig. Hin und wieder verzögert sich der nötige Arztbesuch durch Wochenenden oder Feiertage, manchmal sind Patienten sofort dran. All das verfälscht Meldedaten und kann im unglücklichen Fall dazu führen, dass die neu übermittelten Zahlen vorübergehend fallen oder steigen, obwohl das Gegenteil der Fall ist.

Wir erkennen kritische Entwicklungen zu spät oder bekommen Alarmsignale, obwohl es objektiv keinen Grund gibt.

Starke Schwankungen verwässern das “big picture”.

Eine prädiktive R-Schätzung gleicht diese Schwächen aus.

Grundlage der Reproduktionszahlschätzung ist eine möglichst prädiktive Schätzung der epidemischen Kurve, welche genau die oben genannten Schwachstellen ausgleicht.

Dazu kommen im Modell drei wesentliche Verfahren zum Einsatz:

  • Fälle werden nach bekanntem oder hypothetischem Erkrankungsbeginn abgetragen. Da sich die Inkubationszeit nach einer Ansteckung in einem recht stabilen Rahmen bewegt, lässt sich die Dynamik so bereits recht gut abschätzen.
  • Zur zusätzlichen Stabilisierung tagesaktueller Schwankungen wird die so ermittelte epidemische Kurve zusätzlich geglättet, hier im Modell über einen 7-Tage-Zeitraum.
  • Da für die jüngsten Tage noch mit Nachmeldungen zu rechnen ist, also mit Fällen, welche durch Testzeitpunkt, Testdauer, Meldung und Übermittlung erst später bekannt werden, erfolgt für diesen blinden Fleck eine Hochrechnung des Infektionsgeschehens anhand aktueller Parameter.  

So ergibt sich in der Gesamtheit eine epidemische Kurve, welche die aktuelle Dynamik deutlich stabiler und kompakter erfasst. Trotzdem bleiben natürlich für die jüngsten Tagen noch Unsicherheiten, welche sich dann im Zeitablauf noch etwas nachschärfen. 

 

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ein Projekt im:


 

Entwickelt und realisiert von:


Andreas Wenzel Beratung & Coaching

Validierung: